Kaum ein Wort hat Österreich in den vergangenen Jahren derart geprägt wie „Transparenz“. Nach Korruptionsuntersuchungsausschuss, Inseraten- und Telekomaffäre wurde offensichtlich, dass Handlungsbedarf besteht. Parteien müssen ihre Finanzen offenlegen und Spender ab einer gewissen Größenordnung dürfen das nicht mehr anonym tun. „Transparenz verhindert Korruption, da die Zivilgesellschaft Einblick in die Mittelverwendung erhält“, ist Transparenz- Expertin Romy Grasgruber überzeugt.

Offenlegung der Finanzen

Was im politischen Bereich schon hohe Bedeutung hat, gilt bei NGOs umso mehr. Sie sind Akteure der Zivilgesellschaft und haben sich konkrete Ziele zur Verbesserung der Welt gesetzt. Sie wollen mitgestalten, und zwar aufbauend auf hohen moralischen Standards. Um ihre Ziele zu erreichen, sind sie auf finanzielle Unterstützung durch die Bevölkerung angewiesen.

„In Österreich ist die Bereitschaft zu spenden sehr hoch“, berichtet Grasgruber. Mehr als 75 Prozent der Bevölkerung geben regelmäßig Geld. Die Spendenbereitschaft steigt mit dem Durchschnittsalter, gleichzeitig steigt aber auch der Wunsch danach, sein Geld gut investiert zu wissen. NGOs müssen noch viel mehr als Parteien darauf achten, vertrauenswürdige Partner zu sein, denn ohne Spenden kann ihre Existenzgrundlage zusammenbrechen. Auch im Spendenwesen sowie im gesamten Non-Profit-Sektor ist daher Transparenz in den vergangenen Jahren zu einem Synonym für Seriosität und Vertrauenswürdigkeit geworden. 

 

„Wer sich für eine bessere Welt einsetzt, der muss bei sich selbst anfangen!“

 

Sie besteht aus vielen Faktoren. Einerseits braucht es klare ethische Richtlinien im Fundraising, ein geordnetes Rechtswesen mit internem Kontrollsystem und einem entsprechenden Abschluss des Rechnungswesens. Zudem müssen persönliche Verflechtungen von Mitgliedern des Leitungs- und des Kontrollorgans mit kommerziellen Unternehmen, die in Beziehung zur Organisation stehen, offengelegt werden.

Gewerbliche Tätigkeiten

Wenn die Organisation auch gewerblich tätig ist, muss das über eine getrennt organisierte Abteilung passieren. Das benötigt auch eine eigene Buchhaltung. Außerdem muss sichergestellt sein, dass die Organisation selbst über den Zweck der von ihr gesammelten Mittel entscheidet. Auf diese Art soll verhindert werden, dass eine Organisation nur zum Schein existiert, um Geld für andere Zwecke zu sammeln. So wird Missbrauch vorgebeugt und der Spender weiß, wofür sein Beitrag eingesetzt wird. „Die Qualitätssicherung ist essentiell, daher müssen Kontrollen durch unabhängige Stellen durchgeführt werden“, betont Grasgruber.

Entsprechende Instrumente

In Österreich hat ein Spendenskandal rund um die Jahrtausendwende starke Folgewirkungen gezeigt, erklärt Grasgruber. Dass damals zu sorglos mit Spendengeldern umgegangen wurde, war ein Weckruf für die Branche. Der 1998 gegründete Nachfolgeverein der betroffenen Organisation wurde zu einem Vorreiter in Sachen Transparenz. Mehrere Organisationen und Dachverbände schlossen sich zusammen und verfolgten die Zielsetzung, künftig Spendenmissbrauch zu verhindern.

In Kooperation mit der Kammer der Wirtschaftstreuhänder wurde das „Österreichische Spendengütesiegel“ entwickelt. Romy Grasgruber ist überzeugt: „Wer sich für eine bessere Welt einsetzt, der muss bei sich selbst anfangen“. Derzeit dürfen 225 Organisationen das Siegel führen, das ihnen Transparenz und einen sparsamen Umgang mit Spendengeldern bescheinigt. Das Spendengütesiegel ist das einzige seiner Art in Österreich, als Beweis für die richtige Verwendung von Spenden ist es im In- und Ausland hoch angesehen.