Dr. Leopold Wimmer
Vorsitzender von „Sei so frei“, der entwicklungspolitischen Aktion der Katholischen Männerbewegung

Diese gelebte Solidarität ist höchst erfreulich, verdient tiefen Respekt und verpflichtet zu Dank.

Vor diesem Hintergrund ist es erschreckend, wie weit die staatlichen Mittel hinter dem Spendenaufkommen zurückliegen: Für die Entwicklungszusammenarbeit wurden im Jahr 2011 staatliche Mittel in der Höhe von 82,5 Mio. Euro aufgebracht.

Das 2011er Spendenaufkommen lag bei rund 131 Mio. Euro. Eine Erhöhung der staatlichen Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit wäre ein Gebot der Stunde und ist eine zentrale Forderung aller Non-Profit-Organisationen (NPO) im Entwicklungsbereich.

Umso bedrückender ist der Nationalratsbeschluss, mit dem diese bescheidenen Mittel 2014 nochmals gekürzt werden.

Mehr Spenden dank guter Transparenz

Die erfreuliche Entwicklung des Spendenaufkommens in Österreich hängt auch mit der hohen Transparenz der Organisationen zusammen. SpenderInnen überlegen sich sehr genau, wem sie ihr Vertrauen schenken und welches Projekt sie unterstützen. Jene Organisationen, bei denen Spenden steuerlich absetzbar sind, müssen sich einer umfassenden Wirtschaftsprüfung unterziehen. Dies gilt auch für das Österreichische Spendengütesiegel. In Österreich gibt es mehrere Organisationen, die im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind. Wie „Sei so frei“ (vormals Bruder in Not), haben diese Nichtregierungsorganisationen gemeinsam, dass sie  mit Menschen unabhängig ihrer politischen, religiösen und ethnischen Zugehörigkeit zusammen arbeiten und sich für eine lebenswerte Welt einsetzen. Sie unterstützen jährlich hunderte Projekte in Afrika und Lateinamerika. Ihr Engagement und ihre Motivation sind dabei vorrangig von der Option für die Armen getragen.

 

„SpenderInnen überlegen sich sehr genau, wem sie ihr Vertrauen schenken und welches Projekt sie unterstützen.“


Entwicklungsarbeit in Afrika und Lateinamerika

Die Lebenserfahrungen der jeweiligen PartnerInnen in Afrika und Lateinamerika stellen die Grundlage ihrer Aktivitäten dar. Ob Basisorganisationen, private Entwicklungseinrichtungen oder Einrichtungen der Ortskirchen: Es ist entscheidend, möglichst alle PartnerInnen persönlich zu kennen. In einem intensiven Austausch werden die Projektvorhaben gemeinsam entwickelt und umgesetzt. Das so aufgebaute Vertrauen wird durch eine ausführliche Berichtslegung über die verwendeten Gelder und die erzielten Verbesserungen gestärkt.

Entwicklung als Weg in die Selbstständigkeit

Unsere globale Verantwortung erfordert mutige Schritte, um tatsächlich Veränderungen zu bewirken. Neben der „Hilfe zur Selbsthilfe“ geht es vor allem darum, einen Beitrag zur Befreiung aus Abhängigkeiten zu leisten und selbstbestimmtes Leben zu fördern. Dort, wo es notwendig bzw. Not-wendend ist, leisten NPO’s in den jeweiligen Projektregionen unmittelbare Soforthilfe.

Entscheidend für die Arbeit ist jedoch die strukturelle Dimension, auf die die Projekte zielen und die auch in dieser Ausgabe vorgestellt werden: Befreiung aus Armut durch Bildung, Befreiung von Hunger durch ländliche Entwicklung und nachhaltige Sicherstellung der Nahrungsmittel oder Befreiung von Krankheit durch medizinische Versorgung.

Menschen hier in Österreich bewirken mit ihren Spenden Großartiges. Sie geben aus Überzeugung einen freien Beitrag. „Meine Freiheit nütze ich dazu, dass es andern besser geht“, bringt es Bischof Erwin Kräutler auf den Punkt. Dieser Beitrag wird in Form von Projekten zu einem weihnachtlichen „Stern der Hoffnung“ für die Menschen vor Ort.