Die Regierung hat die „Mindestsicherung neu“ beschlossen. Wie auf der Webseite einer der Regierungsparteien ausgeführt, wird damit der Bezug der vollen Mindestsicherung zukünftig u.a. an Deutschkenntnisse ab Sprachniveau B1 gebunden. Ein Erwachsener, der noch nicht alphabetisiert wurde, braucht bei intensivem Training dazu mindestens drei Jahre.

Die Kürzung der Mindestsicherung trifft dabei nicht Erwachsene allein. Hat die Familie weniger Einkommen, steigt auch die Gefahr von Kinderarmut. Schon jetzt ist Bildungsaufstieg in Österreich hausgemacht. Fast jede zweite Person mit Migrationshintergrund, deren Eltern lediglich einen Pflichtschulabschluss hatten, konnte 2014 ihr Bildungsniveau nicht erhöhen.

Dieses Problem gilt in verstärktem Maße für Flüchtlinge. Neben dem Fakt, dass sowohl die Kinder, als auch die Eltern häufig unter Traumata leiden, sprechen sie (noch) kein Deutsch und kennen sich zudem im österreichischen Bildungssystem nicht aus.

Szenenwechsel. Saheb Jan sitzt in ihrem Zimmer und lernt Deutsch, während ihre zwei Töchter in der Schule sind. Die 43-Jährige Afghanin war selbst noch nie in einer Schule. Vor einem Jahr hat sie einen Alphabetisierungskurs begonnen. Einfache Worte kann sie mittlerweile schon schreiben.

2015 ist Saheb Jan mit ihren Kindern vor der Repression durch den IS und den Drohungen der Taliban geflohen. Auf der Suche nach Sicherheit und einer besseren Zukunft für ihre Kinder, machte sie sich auf den beschwerlichen Weg nach Österreich. Das Schlimmste, das ihr passieren könnte?

Die Abschiebung zurück in ihr zerrüttetes Heimatland. Realität jedoch ist: Österreich hat mit Afghanistan – einem Land im Krieg – ein Rückführungsabkommen beschlossen. Der Negativ-Bescheid für die Familie kann jeden Tag im Postfach liegen.

Ein Asylverfahren dauert derzeit in Wien bei 80 Prozent der Fälle länger als ein Jahr. Altfälle stecken schon seit zehn Jahren im Verfahren fest.

Laut dieser Rechnung wird Saheb Jan das geforderte B1-Niveau nach frühestens vier Jahren erreichen. Hat sie bis dahin Anspruch auf Mindestsicherung, zieht ihr das Sozialamt jeden Monat 300 Euro der Sozialleistung ab. Es sei denn ihr Deutsch ist bereits gut genug.

Integration rasch möglich machen

Die Geschichte Saheb Jans und ihrer Töchter steht stellvertretend für tausende Schicksale hier in Österreich. Menschen, die vor Krieg und Hunger geflohen sind und Kinder, die durch die Flucht wertvolle Jahre ihrer Schulbildung verloren haben, brauchen eine intensive Betreuung. Private Initiativen zeigen eindrucksvoll, dass es möglich ist, Kinder, die von Amtswegen in die Sonderschule geschickt wurden, in kurzer Zeit für den Regelunterricht fit zu machen.

Um Flüchtlinge möglichst effektiv bei ihrer Ankunft in Österreich zu unterstützen und auf den hiesigen Arbeitsmarkt vorzubereiten, fordern viele ExpertInnen gezielte Erwachsenenbildung ab dem erstmöglichen Moment nach der Ankunft in Österreich. Einen Teil stellen Deutschkurse, einen weiteren stellt das Angebot von Basisbildung zum Erwerb eines Pflichtschulabschlusses dar. Dies sollte systemische Vorraussetzung sein, um Flüchtlinge rasch in unsere Gesellschaft zu integrieren.