Armut hat viele Gesichter

Einem davon begegnet man auf dem Markt in Davao City, der Hauptstadt von Mindanao. Kinder tragen dort schwere Lasten, suchen im Müll nach Essensresten oder fischen verlorene Münzen aus dem Kanal. Viele Familien sind vom Land in die Stadt geflüchtet, weil sie ihr Ackerland an Plantagenbesitzer verloren haben. Oder weil der Klimawandel abwechselnd lange Dürre und dann immer stärkere Taifune und Überflutung bringt. Die meisten landen in den Slums, wo sie Arbeitslosigkeit, Unterernährung und fehlende medizinische Versorgung erwartet. Kinder sind besonders verwundbar, sie leiden an Gewalt, Ausbeutung und Kinderarbeit. Ohne Schulbesuch bleiben sie in der Armutsspirale gefangen.

Der Armut den Kampf ansagen

In Davao City nehmen viele Menschen ihre Armut nicht schicksalsergeben hin, sondern schließen sich zusammen und werden aktiv. Child Alert ist so eine Initiative an der Basis. Ihr Ziel ist es, Kinder vor Gewalt und Ausbeutung zu schützen und ihnen einen positiven Schulabschluss zu ermöglichen. Den Eltern wird dabei geholfen, Einkommen zu schaffen und die Armut zu besiegen.

Warum ist der Schutz von Kindern in Davao City nötig?

Die extreme Armut in Davao City zermürbt viele Eltern und zerstört Familien. Ohne Geborgenheit und ohne elterlichen Schutz steigt aber die Gefahr, zu Opfern von Gewalt, sexueller Ausbeutung oder Kinderarbeit zu werden.

Wie macht sich Kinderarbeit bemerkbar?

Leider gibt es sehr viele Arten von Kinderarbeit. Zum Beispiel warten viele Kinder um 2:00 in der Nacht vor den Bäckereien, bis die Brote fertig gebacken sind. Die werden dann bis 6:30 ausgeliefert und verkauft. Nach dieser Nachtarbeit gehen die Kinder direkt in die Schule. Dort sind sie übermüdet und unkonzentriert. Das führt zu schlechtem Schulerfolg bis hin zum Schulabbruch. Und ohne Schulbildung gibt es wenige Chancen, der Armut zu entkommen.

Gibt es auch andere Arten von Kinderarbeit?

Kinderarbeit ist allgegenwärtig. Kinder verkaufen Speisen oder Getränke auf der Straße, suchen verwertbare Materialien im Müll, sind tagelang mit den Fischern auf hoher See, tragen Lasten oder putzen in der Nacht den Markt. Und dann gibt es noch das schreckliche Verbrechen der Kinderprostitution oder Burschen werden als Drogenkuriere eingesetzt.

Was tut Child Alert zum Schutz der Kinder?

Wir machen auf die Schäden durch Kinderarbeit aufmerksam und machen die Rechte von Kindern bewusst – ihnen selbst, den Eltern, aber auch der Politik. Diese Prävention ist wichtig, damit es gar nicht erst zu Gewalt und Missbrauch kommt. Und natürlich helfen wir den Kindern, einen guten Weg zu beschreiten – mit Selbstbewusstsein, Gemeinschaftsgefühl und mit einem Schulabschluss.

Schule statt Kinderarbeit

Selwyn geht es wie vielen anderen Kindern in Mindanao. Er hat die Schule abgebrochen, weil er zum Familieneinkommen beitragen muss. Bei Selwyn ist es die Arbeit auf einem Fischerboot. Weil er dann oft tagelang auf hoher See unterwegs ist, bleibt keine Zeit mehr für die Schule. Immer weiter und länger müssen die traditionellen Fischer unterwegs sein, um vom Fischfang leben zu können.

Warum? Das Meer erwärmt sich wegen des Treibhauseffektes und die Fischschwärme suchen kältere Meeresregionen auf. Außerdem fischen die Fischerflotten großer Unternehmen mit ihren engmaschigen Netzen das Meer leer. Was das für Selwyn bedeutet? Der Beruf als Fischer bietet wenig Perspektiven und Schulbildung hat er auch keine. Child Alert bietet ihm aber die Chance, mit Unterstützung der Sozialarbeiterinnen den Schulabschluss nachzuholen und seine Zukunft positiv zu gestalten

Kochkunst gegen Armut

Mit Unterstützung von Child Alert hat Mrs. Josephine Cecino begonnen, kleine Speisen daheim zu kochen und auf der Straße zu verkaufen. Mit zusätzlichem Einkommen geht es der ganzen Familie besser, und die Schulausgaben für die beiden Kinder können beglichen werden. Das funktioniert bei vielen Familien und so hat die „Hilfe zur Selbsthilfe“ positive Folgen für die ganze Region.

© Fotos: Georg Bauer