Kinder und Jugendliche leiden unter Gewalt und Flucht ganz besonders. Mehr als die Hälfte der Flüchtlingskinder im schulpflichtigen Alter weltweit kann nicht in die Schule gehen. Anstatt unbekümmert spielen und lernen zu können, werden Flüchtlingskinder aus ihrem Leben gerissen, verlieren Freunde oder Familienmitglieder und müssen Dinge mit ansehen, die selbst für Erwachsene kaum zu verkraften sind.

Europa ist in den letzten Jahren für viele Flüchtlingskinder eine zweite Heimat geworden. Hier können sie die Schrecken des Krieges langsam überwinden, wieder Hoffnung schöpfen und endlich auch wieder träumen.

Das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR hat die Träume von Flüchtlingskindern in Europa gemeinsam mit den Social-Media-Influencern Debra Barraud (Humans of Amsterdam) und Annegien Schilling (Fetching_Tigerss) in Geschichten, Fotos und Videos eingefangen.

Vieles, was ihnen wichtig war, mussten sie in ihrer Heimat zurück lassen. Doch die „Dream Diaries“ erzählen eindrucksvoll von ihren Hoffnungen und Wünschen.

Drei von ihnen sind Amr, Shana und ihre große Schwester Nergez. Hier sind ihre Geschichten.

Shana, 8 Jahre alt und Nergez, 20 Jahre alt, aus Syrien, leben in Wien

„Shana ist meine kleine Schwester, aber oft hat sie mehr Mut als ich. Sie sagt, was immer sie will, und ich bewundere sie sehr dafür. Unser Vater ist nach Österreich gekommen, während wir mit unserer Mutter in Syrien geblieben sind. Wir hofften auf Familienzusammenführung, um auch nach Österreich zu kommen, sobald unser Vater alle nötigen Papiere hätte. Mittlerweile war ich aber 18 geworden, was bedeutete, dass ich nicht mehr gemeinsam mit meiner Familie nach Österreich kommen durfte. Laut Gesetz war ich zu alt. Meine Mutter wollte nicht ohne mich gehen. Mit der Hilfe von UNHCR konnten wir schließlich alle nach Österreich kommen. Ich habe das Gefühl, dass unsere Situation einen großen Einfluss auf unsere Familie hat, aber ich bin so glücklich, dass wir zusammen sind. Ich bin auch froh, dass meine kleine Schwester hier in Wien wieder ein Kind sein kann. Sie hat so viele Träume. Letztens hat sie mir erzählt, dass sie eine Prinzessin sein und in einem Schloss leben möchte. Wie in einem Märchen. Natürlich sind Märchen nicht die Realität, aber ich liebe es, dass sie noch an sie glaubt.“

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Story (gekürzt): Humans of Amsterdam; Foto: Humans of Amsterdam/Fetching_Tigerss/UNHCR/ Juhku/Shutterstock.com

Amr, 15 Jahre alt, aus Syrien, lebt in Wien

„Das Schlauchboot ist mir von unserer Reise am meisten in Erinnerung geblieben. Es dauerte fünf Stunden. Der Motor fiel mehrmals aus. Wir hatten solche Angst. Es war Mitternacht. Wir navigierten alle mit unseren Handys. Wir fuhren von der Türkei nach Griechenland. Ich erinnere mich vor allem auch an das viele Gehen. Ich erinnere mich an den Matsch, die Kälte und den ständigen Regen. Ich habe nicht viel gegessen. Als wir endlich in Österreich ankamen, war ich so froh, nicht mehr gehen zu müssen. An meinem ersten Schultag hier war ich sehr aufgeregt. Ich hatte vorher noch nie österreichische Kinder getroffen und ich war auch der einzige Syrer in der Klasse. Meine Klassenkollegen haben mir viele Fragen über Syrien und den Krieg gestellt. Also habe ich ihnen von meinem Leben in Syrien erzählt. Ich habe über Aleppo gesprochen, über den Krieg und über Falafel, denn in Syrien schmecken sie wirklich gut. Manche Schüler stellten auch lustige Fragen wie: Habt ihr Autos in Syrien? Natürlich haben wir Autos in Syrien. Vielleicht dachten manche, dass wir nur Kamele haben. Mittlerweile habe ich schon viele neue Freunde gefunden, aber meine Freunde in Syrien fehlen mir. Über Facebook sind wir noch in Kontakt. Eine Welt ohne Krieg ist so viel besser. Im Internet gehen so viele Geschichten über Syrien herum und es ist schwer zu sagen, ob sie wahr sind. Aber die Menschen müssen die Wahrheit hören und Journalisten haben die Macht dazu. Deshalb möchte ich gern Journalist werden.”

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Story (gekürzt): Humans of Amsterdam, Foto: Humans of Amsterdam/Fetching_Tigerss/UNHCR/ petoei/andrea crisante/andrewvect/kasha_malasha/Shutterstock.com

 

„Wir sehen Flüchtlinge oft als eine große Masse von Menschen und als eine Last. Wir sehen nicht das vielschichtige Mosaik aus einzelnen Frauen, Männer und Kindern mit verschiedensten Erfahrungen und großen menschlichen Potenzialen. Es gibt Millionen junger Flüchtlinge mit der Entschlossenheit, dem Wunsch und dem Streben nach Bildung und Arbeit. Diese möchten in den Gesellschaften, in denen sie leben, etwas beitragen und auch beim Wiederaufbau ihrer Heimatländer mithelfen. Millionen von vertriebenen Eltern würden jedes erdenkliche Opfer bringen, um ihren Kindern Zugang zu Bildung zu ermöglichen.“

Angelina Jolie, UNHCR-Sondergesandte

Copyright: UNHCR/Andrew McConnell

Alle Geschichten und Spendenmöglichkeit finden Sie auf www.unhcr.at