Warum müssen sich Unternehmen mit den Auswirkungen ihres eigenen Wirtschaftens befassen?

Unsere Welt wir immer globaler, es gibt immer komplexere Wertschöpfungsketten und die Anzahl der Handlungsfelder erhöht sich. Ressourcenknappheit und der Klimawandel tragen ebenfalls ihren Teil bei. Zusätzlich wird der öffentliche Druck auf Unternehmen immer größer. Die Menschen wollen Transparenz und das in allen Bereichen – auch am Dienstleistungssektor. Nachhaltigkeit wird in allen Bereichen erwartet. Deswegen kommen Unternehmen gar nicht daran vorbei, sich mit den Folgen ihres eigenen Tuns zu beschäftigen.

Was bedeutet Nachhaltigkeit in Bezug auf Corporate Social Responsibility?

Es geht dabei um einen strategischen Ansatz, der auf drei Säulen beruht – einer ökologischen, einer ökonomischen und einer sozialen Stütze. Dabei ist es wichtig anzumerken, dass sich diese drei Säulen der Nachhaltigkeit gegenseitig beeinflussen und ineinander greifen.

Gibt es auch Unternehmen, die sich nur auf einen der drei Bereiche beschränken?

Wie bereits erwähnt, muss der nachhaltige Ansatz strategisch verankert sein. Natürlich gibt es Unternehmen, die sich beispielsweise verstärkt auf den sozialen Aspekt konzentrieren, weil es vielleicht zu ihrem Produkt oder ihrer Dienstleistung passt, aber im Prinzip gehen Ökonomie, Ökologie und soziale Belange Hand in Hand.

War das schon immer so?

Keineswegs – gerade als Begriffe wie Corporate Social Responsibility bzw. unternehmerische Gesellschaftsverantwortung aufkamen, verstand man darunter oft reines Spendentum und Geldförderung. Mit der Zeit ist man dann dazu übergegangen, projektorientierte Maßnahmen zu ergreifen und irgendwann hat man dann herausgefunden, dass nur ein strategischer Ansatz sinnvoll ist. Denn schließlich handelt es sich um einen laufenden Prozess, der sich ständig weiterentwickelt.

Was sind die Vorteile, wenn Unternehmen Gesellschaftsverantwortung übernehmen?

Es ist eine Win-Win-Situation. Die Gesellschaft profitiert davon, wenn sich Unternehmungen um ihre Auswirkungen auf die Umwelt kümmern oder sich sozial engagieren. Für das Unternehmen ist es von Vorteil, weil dadurch die Außenwahrnehmung positiv beeinflusst wird und dadurch in weiterer Folge eine stärkere Kundenbindung entsteht.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, bei dem sich Corporate Social Responsibility positiv auf Gesellschaft und Unternehmen auswirkt?

Im Dienstleistungsbereich der Reinigung gibt es in Österreich derzeit die Bestrebungen verstärkt auf Tagesreinigung zu setzen. Das bedeutet, dass die Reinigungskräfte nicht in den frühen Morgenstunden oder spät am Abend arbeiten, sondern während des Tages. In Skandinavien ist das mittlerweile in 80 Prozent der Fälle so. In Österreich halten wir bei ungefähr acht.

Für die Reinigungskräfte lassen sich durch die geänderten Arbeitszeiten Beruf, Partnerschaft und Kinder besser miteinander vereinbaren. Dadurch dass sie zur gleichen Zeit im Gebäude anwesend sind wie beispielsweise die Büroangestellten, bekommen die Dienstleister, die die Reinigung durchführen, für die anderen Menschen auch ein Gesicht. Gesteigerte Zufriedenheit seitens der Kunden mitunter auch Energiekosteneinsparungen sind weitere Ergebnisse. Das wirkt sich positiv auf die einzelnen Unternehmen, die ganze Branche und im Endeffekt auf die Gesellschaft aus. An diesem Beispiel sieht man sehr schön, wie alle Seiten profitieren.

Glauben Sie, dass es sich bei Corporate Social Responsibility wirklich um eine Unternehmensphilosophie handelt oder sind es teilweise nur Lippenbekenntnisse?

Ich glaube, dass es in Österreich viele Unternehmen gibt, die ernsthaft an den Themen Gesellschaft und Umwelt interessiert sind. Die auch die richtigen Werte nach Innen und Außen leben. Natürlich ist die Situation noch nicht perfekt, aber es wird sehr aktiv daran gearbeitet. Dabei ist ein Dialog auf Augenhöhe zwischen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft sehr wichtig. Der Politik  kommt die wichtige Rolle zu, Rahmenbedingungen zur Förderung von nachhaltigem Wirtschaften zu schaffen, damit noch besser gearbeitet werden kann.