Vor mehr als zwanzig Jahren hatten Sie einen Minenunfall. Wie hat dieser Schicksalsschlag rückblickend ihr Leben verändert?

Während des Krieges in Bosnien und Herzegowina bin ich auf eine Landmine getreten. Die Auswirkungen des Unfalls waren schrecklich, da ich mein linkes Bein verlor. Das war ein dementsprechend gravierender Einschnitt für mich, da ich damals schon als Sportler aktiv war.

Obwohl dieser Unfall in diesem Moment mein Leben völlig verändert hat, habe ich schnell verstehen und akzeptieren müssen, dass ich mit einer Behinderung leben werde und für meinen Platz unter der Sonne weiterkämpfen muss.

Inwieweit hat Sport Ihnen die Kraft zum Weiterkämpfen gegeben?

Schon vor dem Krieg war ich ein leidenschaftlicher Skifahrer. Deshalb war ich davon überzeugt, dass ich trotz der Verletzung mit viel Mühe und Einsatz mein Heimatland in internationalen Wettbewerben vertreten kann. Ich bin weiter Ski gefahren und habe jahrelang hart trainiert. Viele haben mir gesagt, dass das eine nutzlose Arbeit sei und ich aufgeben solle.

Doch meine Bemühungen haben sich ausgezahlt! Als erster Skifahrer mit Behinderung nahm ich 2009 an einer internationalen Ski-Veranstaltung anlässlich des 25. Jubiläums der Olympischen Winterspiele in Sarajevo teil. Im selben Jahr war ich der erste Repräsentant Bosniens und Herzegowinas beim Europäischen Behindertenskilauf im österreichischen Pitztal.

Und schließlich hat sich meine Arbeit auch bezahlt gemacht, als ich als erster Sportler mit Behinderung in der Geschichte Bosniens und Herzegowinas bei den Paralympischen Winterspielen in Vancouver 2010 angetreten war.

Was sind Ihre Motivation und Inspirationen?

Der Sport selbst hat mir zusätzlich Motivation und Kraft gegeben, immer wieder mehr zu tun und mich weiterzubilden. Sport hat mir neue Perspektiven eröffnet und mir ermöglicht, Freunde auf der ganzen Welt kennenzulernen. Außerdem engagiere ich mich im Moment auch persönlich für die Opfer von Minenunfällen. Leider sind Minen nach wie vor eine große Gefahr für Menschen in Bosnien und Herzegowina.

Wie können wir hier als nationale, aber auch internationale Zivilgesellschaft helfen?

Mehr als 1.176 Quadratkilometer beziehungsweise 2,3 Prozent der Fläche meines Heimatlandes sind von Minen verseucht. Allerdings lässt das Interesse internationaler Spender leider von Jahr zu Jahr nach. Auch Bosnien und Herzegowina selbst hat aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage weniger Ressourcen für die Lösung des großen Landminenproblems.

Die Zivilgesellschaft muss sich hier aktiver einsetzen. Lokale Gemeinden, die in den Landminengegenden leben, müssen Aufklärungsarbeit leisten. Zusätzlich sollen für Minenopfer Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen oder etwa Umschulungen gestartet werden.

Welchen Ratschlag können Sie Menschen geben, die sich heute in einer ähnlichen Situation befinden wie Sie damals?

Man muss alle Änderungen von sich selbst aus initiieren! Darüber hinaus muss man hart arbeiten, sich bemühen und vor allem daran glauben, dass trotz allem das Leben weitergehen wird. Harte Arbeit und Mühe werden sich eines Tages bezahlt machen. Und wir, all jene, die etwas geschafft oder erreicht haben – wir haben die Verpflichtung jenen zu helfen, die noch auf ihre Chance warten!