Wie können blinde Menschen von einem Führhund profitieren?

Ein Blindenführhund erleichtert und entspannt den Alltag enorm und sorgt für eine deutlich höhere Selbstständigkeit. Bereits beim reinen Gehen muss sich die blinde Person nicht so konzentrieren, denn der Hund bleibt von selbst an der Gehsteigkante stehen. Ein Führhund unterstützt aber nicht nur die Mobilität, sondern auch die Psyche. Wir erleben oft, dass ein Hund zum Bindeglied zwischen Sehenden und nicht sehenden Personen wird. Über den Hund ergeben sich oft Interaktionen, die Menschen kommen ins Gespräch und Barrieren werden abgebaut.

Die Ausbildung eines Führhundes beginnt früh. Wie läuft sie genau ab?

Wir kaufen Welpen von renommierten Züchtern, die in den ersten zwölf Monaten bei Patenfamilien aufwachsen. Dort werden sie sozialisiert, lernen also, wie man an der Leine geht oder mit Artgenossen und Menschen spielt. Im Alter von einem Jahr kommt der Hund zu uns zurück. Sind alle gesundheitlichen Untersuchungen in Ordnung, beginnt die Ausbildung. Wir suchen uns dabei ganz gezielt geeignete Hunde mit sanftem Temperament aus. Denn einer blinden Person ist es kaum möglich, aggressives Verhalten des Hundes abzuwenden oder zu unterdrücken.

Wie sieht das Trainingsprogramm aus?

Bei uns lernt der Hund, auf dem Gehsteig zu bleiben, Hindernissen auszuweichen, auf Kommando Treppen, Lifte oder Türen zu suchen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Sitzbank anzuzeigen. Nach acht bis zehn Monaten ist die Ausbildung beendet. Nun muss der Hund eine offizielle Prüfung bestehen, dann ist er einsatzbereit. Bei der Zusammenschulung treffen der blinde Besitzer und der Hund erstmals unter Aufsicht aufeinander, man lernt sich gegenseitig kennen und dem Hund werden zukünftige Arbeits- oder Einkaufswege gezeigt.

Immer wieder werden auch Hundepaten für die Welpen gesucht?

Für eine Welpenpatenschaft kann man sich bei uns freiwillig melden. Wir geben Bescheid, wenn wir wieder Plätze suchen. Futter-, Zubehör- und Tierarztkosten werden von uns übernommen, die Paten müssen nur Zeit investieren.

Ist ein Führhund für jeden geeignet?

Im Prinzip ist es wie bei sehenden Menschen: Man muss ein Tierfreund sein und die Vor- und Nachteile genau abwägen. Mit einem Hund ist man natürlich gebunden und muss auch mehrmals am Tag aus dem Haus gehen. Das entscheidet am besten jeder für sich selbst.

Mit welchen Kosten kann man für einen Blindenführhund rechnen?

Insgesamt betragen die Kosten für einen Hund rund 30.000 Euro. Das beinhaltet Ausbildung, die Zusammenschulung und die Ausstattung wie Führgeschirr, Leine oder Korb.

Das ist kein kleiner Betrag – gibt es Förderungen?

Die Kosten für einen Blindenführhund werden nur zum Teil übernommen. Je nachdem ob sich die blinde Person in Ausbildung, im Arbeitsleben oder in Pension befindet, variieren die Förderungen. Der Restbetrag muss selbst oder über Spenden aufgebracht werden. Das ist manchmal schwierig und für viele blinde Personen stellen die Kosten eine große Hürde dar. Es gibt schon lange Verhandlungen mit den Sozialversicherungsträgern, um einen Führhund als Hilfsmittel anzuerkennen. In Deutschland ist das bereits so, da bezahlt die Krankenkasse.